Facebook verklagt StudiVZ

July 20th, 2008

Also doch! Viele Benutzer waren irritiert: Das deutsche StudiVZ sieht nicht nur genauso aus, wie das früher gegründete amerikanische Facebook, es hat auch dieselben Funktionen - und so lautet die Anschuldigung folgerichtig auch

copying the look, feel, features and services

Verklagt wurde StudiVZ, das mittlerweile seinen “Schöpfern” für einen geschätzten Preis von 100 Mio. Euro abgekauft und in die Holtzbrinck-Gruppe integriert wurde, vor einem kalifornischen Gericht. Obwohl StudiVZ nicht in den USA vertreten ist, betätigt sich der Mutterkonzern Holtzbrinck sehr wohl in den Vereinigten Staaten. Der Klage zufolge seien etwaige Unterschiede zwischen Facebook und StudiVZ nur “nominell”. StudiVZ habe die blaue Farbgebung von Facebook lediglich durch eine rote ersetzt. In der 116-seitigen Klageschrift heißt es laut Financial Times u.a.:

Ein großer Teil des Erfolgs - wenn nicht der gesamte Erfolg - von StudiVZ ist dem Kopieren und dem Missbrauch von Facebooks geistigem Eigentum geschuldet.

und

Wir sind enttäuscht, dass StudiVZ sich unrechtmäßig unserer Kreativität und Innovation bedient.

Facebook könnte nun auch seinen anderen Klonen auf den Leib rücken. Derer gibt es mindestens 9, die bekanntesten dürften StudiVZ aber auch das chinesische Netzwerk Xiaonei sein. Dass StudiVZ der erste Kandidat ist, der sich gerichtlich verantworten muss, könnte daran liegen, dass Facebook nach dem Start seiner deutschen Version in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht richtig Fuß fassen kann. StudiVZ ist in diesen Ländern mit seinen nach eigenen Angaben 10 Millionen Benutzern der Platzhirsch. Die allgemeine Stimmung in der Blogosphäre spricht eher gegen StudiVZ.

Ruft man sich die vom StudiVZ ausgehenden Abmahnungen gegen auch kleine Konkurrenten ins Gedächtnis, erscheinen die Anschuldigungen von Facebook gegenüber StudiVZ nun in einem recht makaberen Licht. Facebook klagt auf Schadenersatz. Neben den compensatory damages, die dem Wiedergutmachungsgedanken Rechnung tragen, kennt das US-amerikanische Recht auch die sogenannten punitive damages, also einen Strafschadensersatz, der durchaus astronomische Summen erreichen kann. Sicherlich wird sich der Prozess einige Zeit hinziehen. Auf das Urteil, so es überhaupt eines gibt, darf man allerdings gespannt sein.

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